Lori Nix und Frank Kunert - zwei etwas andere Modellbauer

Screenshot: Lori Nix / Kathleen Gerber (http://www.lorinix.net)

Dass Fotos die Realität wiedergeben, gilt für die hier vorzustellenden Künstler nur insoweit, als dass es die fotografierten Modelle wirklich gibt. Aber die stellen nur Fantasiewelten dar, bisweilen skurril aber auch schon mal postapokalyptisch.

 

Tipp 1: Lori Nix - fiktionale, ländliche 'Danach'-Szenerien

Beim Besuch der Ausstellung „Buchwelten“ im Sinclair-Haus in Bad Homburg1 , stieß ich auf zwei dort ausgestellte großformatige Bilder der amerikanischen Fotokünstlerin Lori Nix, die ich faszinierend fand. Eines diese Bilder war auch das Aufmacher-Foto der gesamten Ausstellung. Daraufhin habe ich ihre Website www.lorinix.net besucht und kann sie allen Freunden leicht skurriler Bilder nur empfehlen.

 

Lori Nix baut in mühevoller Handarbeit sehr detaillierte kleine Welten oder Dioramen, die jedoch beileibe keine klassische Idylle darstellen – eher eine postapokalyptische. Anschließend fotografiert sie die Szenen mit fein abgestimmter Lichtsetzung. Man muss sich ein wenig Zeit nehmen für die Motive, so voller Details sind sie.

 

2015 hatte die Fotografin eine Einzelausstellung in Schloss Moyland (bei Bedburg), hier ist ein Artikel aus dem Handelsblatt dazu: Lori Nix - Bau einer gescheiterten Welt

 

 1) Die Ausstellung lief bis zum 04.02.2018

Lori Nix über ihre Arbeiten

 

Ich habe nicht wirklich eine Todessehnsucht, es sieht nur danach aus.
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Meine Fotografien präsentieren eine fiktionale, ländliche 'Danach'-Szenerie. Ein Aquarium nach einer Flut, eine Kirche nach einem Brand, ein Schönheitssalon nach ... wer weiß was. Die Menscheit ist verschwunden und was zurück bleibt sind leerstehende Fragmente von Gebäuden, einige von der Natur langsam zurückerobert. Diese Fotos begannen ihr Leben als komplexe Dioramen, gestaltet aus Schaumstoffplatten, Farben, Gips und Holz. Von Grund auf sehr detailliert gebaut, zeigen die Dioramen das tägliche Leben ihrer früheren Bewohner.
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Weil meine Arbeit ein Modell darstellt und nicht einen realen Platz, schafft sie einen sicheren Raum, um über diese Katastrophenvorstellungen nachzudenken. Befreit von Menschen werden diese Plätze mediativ und voller Möglichkeiten. Die Details in den Gebäuden scheinen stärker betont zu sein und es sind diese Details, die zurück zeigen auf die Menschen, die sie geschaffen haben. Nicht bloße Strukturen, um uns vor Wind und Regen zu schützen, sind sie Beispiele menschlicher Kreativität, Fähigkeiten und Ambitionen. Schönheit und Design verbinden sich mit Funktion, um etwas Größeres zu schaffen als die Summe seiner Teile. Der Betrachter wird in die Szenerie hineingezogen und taucht ein in die Architektur und die Artefakte der modernen Welt. Die Zeit und Mutter Natur werden zu den großen Gleichmachern in diesen verlassenen Räumen. Großartige kulturelle Räume werden mit derselben staubigen Patina überzogen wie der lokale Waschsalon oder die industrielle Schaltzentrale. Obgleich auf den ersten Blick düster, enthüllen diese Details den Optimismus, die Ambitionen und sogar den Humor der früheren Bewohner.

Quelle:  http://www.lorinix.net/about/


Tipp 2: Frank Kunert - der etwas andere Modellbau

Dann fiel mir noch ein weiterer Fotograf ein, dessen Bilder ich eigentlich schon vor einigen Jahren gesehen habe, und die ganz gut dazu passen. Es ist der in Frankfurt geborene Frank Kunert, der heute in Boppard lebt und arbeitet. Auch er baut und fotografiert Szenen aus einer nicht ganz realen Welt. Allerdings wesentlich klarer im Aufbau, und mit etwas anderen Themen, skurril, manchmal ein wenig boshaft. Ich mag vieles davon.

 

Von ihm werden Bilder um den Jahreswechsel 2019/2020 (ich weiß, das ist noch lange hin) in Burg Hayn in Dreieichenhain ausgestellt werden.

 

Wenig später fiel mir auch ein, woher mir Frank Kunert bekannt vorkam: Der Fotoclub Ried hat schon 2010 auf die Webseite von Frank Kunert hingewiesen...

 

Kürzlich berichtete auch Dr. Martina Mettner in ihrem Blog fotofeinkunst: Zu Besuch im Wunderland von Frank Kunert

 

 

Herzlichen Dank an Monika Seidel für die Web-Tipps.