Richtig belichten mit Histogramm

Mit dieser Anleitung erklärt Michael Lamberty den Umgang mit dem Kamerahistogramm und zeigt, welche Vorteile das korrekte Belichten nach Histogramm vor allen Dingen mit höheren ISO-Einstellungen hat.

Wie kann ich mir das Histogramm anzeigen lassen?

Die meisten Kameras zeigen das Histogramm durch mehrfaches Drücken der Infotaste während der Bildwiedergabe.

 

 siehe Kamerahandbuch

Was ist das Histogramm?

Ein Histogramm zeigt die Verteilung der Helligkeitswerte eines Bildes. Über einer Achse, welche die Helligkeitswerte (0-255) darstellt, sind die einzelnen Häufigkeiten des Vorkommens der Werte als Balken dargestellt. Je höher der Balken über einem Wert ist, desto häufiger kommt dieser Grauwert im Bild vor. Links im Histogramm sind also die dunkelsten Bildpartien und rechts die hellsten Bildpartien angezeigt. Der Sensor einer durchschnittlichen DSLR ist in der Lage ca. 6 Blendenstufen im jpg-Format aufzuzeichnen. Das Histogramm ist in 5 Teilbereiche eingeteilt (Canon Kamerahistogramme zeigen diese Teilbereiche mittels Balken an). Dazu später mehr. Alle Werte, die sich also links oder rechts des Histogramms befinden, werden also nicht aufgezeichnet. Man spricht fotografisch dann von einer Unterbelichtung (linke Seite unterschritten) bzw. Überbelichtung(rechte Seite überschritten).

 

Merke! Ein überbelichtetes Foto in jpg kann nicht mehr korrigiert werden, da die Bildinformation ja nicht mehr vorhanden ist.

 

Ausnahme RAW: Durch Fotografieren im RAW-Format lässt sich der Dynamikumfang (vor allen Dingen bei Überbelichtungen) erheblich erweitern. 1-2 Blenden Überbelichtung werden je nach Kamerahersteller im RAW mit aufgezeichnet.

Beispiel: Beispielbild mit Histogramm einer Canon EOS 50D im automatischen Belichtungsmodus Mehrfeldmessung

Das Ausgangsbild und das zugehörige Histogramm
Das Ausgangsbild und das zugehörige Histogramm

Was fällt an der Aufnahme auf? Zunächst eigentlich eine ganz normale Fotografie. Das Histogramm läuft weder links noch rechts aus dem Ruder.

 

Aber schauen wir uns das ganze mal etwas genauer an. Dazu habe ich eine 2. Aufnahme gemacht und dabei die Belichtung um 2 Stufen erhöht:

Was ist passiert? Jeder, der das Bild nur auf dem Monitor der Kamera betrachtet würde sagen: „Mist, viel zu hell geworden!" Aber wenn man sich das Histogramm anschaut, sieht man, dass auch hier das Histogramm in bester Ordnung ist. Wo liegt also der Unterschied, und warum sollte ich ein viel zu helles Bild machen?

 

Dazu muss man folgendes wissen: Wie ich oben beschrieben habe, repräsentiert das Histogramm in seinen 5 Stufen die 6 zur Verfügung stehenden Blendenwerte. Aber dies nicht mit gleicher Gewichtung was die Datenmenge jeder Zone betrifft. Dazu folgende Grafik welche die 5 Zonen des Histogramms und der in diesen Zonen an Daten enthaltenen Mengen im Verhältnis zur Gesamtdatenmenge darstellt:

 

dunkle Werte weniger dunkel Mitten weniger hell helle Werte
  Gesamtvolumen der Daten
3% 6% 12,5% 25% 50%

Welche Konsequenz hat das für unser Foto? Schauen wir uns noch einmal den Vergleich der beiden Histogramme an:

Histogramm Ausgangsbild
Histogramm Ausgangsbild
Histogramm: +2 Blenden
Histogramm: +2 Blenden

Mit dem jetzigen Wissen sehen wir ganz deutlich, dass wir in der Aufnahme 1 über 50% der Daten verschenkt haben. Die Information über die Helligkeitswerte haben wir, aber verteilt auf eine wesentlich kleinere Gesamtmenge am zur Verfügung stehenden Datenvolumen.

Wie wirkt sich das aus?

Unsere Aufnahmen wurden mit ISO 1600 aufgenommen um den Verlust der Daten ganz deutlich zu machen. Ein ISO-Wert, der insbesondere dann von Interesse ist, wenn man mit wenig lichtstarken Objektiven bei wenig Licht noch verwacklungsfrei fotografieren möchte. Viele Fotografen schrecken allerdings davor zurück solch hohe ISO-Werte bei Crop Kameras einzustellen, weil sie das gefürchtete Rauschen nicht haben möchten.

Richtig belichtet ist dies jedoch, wie man gleich sehen wird, überhaupt kein Problem!

Hier nochmal das Originalfoto:

Ich habe einmal von beiden Fotos eine Ausschnittsvergrößerung erzeugt, der die Fotos in der 100% Ansicht, also der tatsächlichen Pixelgröße anzeigt .

Auf der linken Seite die Datei mit den fehlenden 50% an Datenmenge. Deutlich sichtbar ist das Farbrauschen und der Verlust an Details.

Rechts die noch unbearbeitete Datei mit fast 100% der Datenmenge.

Nun folgte in der Bildbearbeitungssoftware die Korrektur der Helligkeit in Aufnahme 2. Wohlgemerkt, es wurde noch keine softwareseitige Rauschreduzierung durchgeführt! Damit ließe sich das Ergebnis weiter steigern.

Wie man sieht, zeigt sich nun die wesentlich höhere zur Verfügung stehende Menge an Daten. Das Bild hat wesentlich mehr Zeichnung und rauscht erheblich weniger.  

 

Für mich heißt es daher zukünftig immer:

 

Belichte nach Histogramm und nicht nach Foto auf dem Display!

Besten Dank an Hans-Peter Schaub, der mich mit seinem Buch zu diesem Artikel inspirierte:

Die Fotoschule in Bildern. Landschaftsfotografie

Galileo Design, 2012,

296 S., 29,90 Euro,

ISBN 978-3-8362-1709-5

 

Infos zum Buch


Bericht: Michael Lamberty

Urheberrechtshinweis

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